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Mit freundlicher Genehmigung von Werner Kirscht, aus Seinem Buch “Als Zimmermann auf Wanderschaft” Der Rolandschacht, Zunft reisender BauhandwerkerUm 1881 machten sich einige Gesellen der reisenden Maurerzunft Gedanken. allen Bauhandwerkern den Zugang zum gemeinsamen Handwerkssaal zu ermöglichen. Sie nannten sich untereinander „Rolandsbrüder“. Dies war leichter gesagt als getan. denn in den Kipfen der Oberzünftigsten durfte es nur eine rechtschaffene Zunft geben. 1883 wurde in Flensburg erstmals ein Gesellschaftsbild gemacht. worauf Gesellen mit wahrscheinlich blauer Ehrbarkeit zu sehen sind, denn das Bild ist kein Farbfoto.
(Leider ist dieses Bild nur ein Scann einer miserablen Fotokopie) Dieses Bild stammt vom einheimischen Freiheitsbruder Ernst-Martin Reimers. der es von der Gewerkschaft geschenkt bekam. Es sollte sich im Archiv des Rolandschachtes befinden, damit es jedem Rolandsbruder zugänglich ist. Leider ist das Bild noch in Privatbesitz eines ehemaligen Rolandsbruders der es für sich beansprucht. Die Überschrift des Bildes lautet: „Vivat, es leben die Rolandsbrüder in Flensburg 1883"
Dieses Foto wurde bei einem inoffiziellen, geheimen Treffen aufgenommen. Zum Grossteil waren es Maurer aus Bremen, die auf Wanderschaft in der Maurerzunft waren. Sie trafen sich nach dem offiziellen Aufklopfen der „Schwarzen“ in Gesellschaftszimmern bestimmter Gaststätten und banden dort eine blaue Ehrbarkeit ein, die sie immer in der Tasche hatten. Diese war zusammengerollt wie ein “Rollmops“ mit einer Handwerksnadel durchstochen. Daher auch der Spitzname der Rolandsbrüder. Das Original des Gründungsbildes des Rolandschachtes ist ebenfalls noch im Privatbesitz eines Rolandsbruders, ob wohl es eigentlich in das Archiv nach Bielefeld gehört. Wir sprechen der ältesten Gesellenkooperation nicht ab die älteste Vereinigung zu sein, aber als offizieller Gründungstag mit Statuten wird in beiden Fällen der 1. Mai 1891 angegeben. Der Rolandschacht gab sich an diesem Tag in Nürnberg im „Roten Ross“, der heutigen Nobelherberge “Irrer Elch“, seine Gesetze. Am Gründungstag bestand der Rolandschacht bereits, aus 25 Mitgliedern, wie auf dem Gründungsbild zu sehen ist. Von diesen Gesellen wurde eine reformierte Zunft für alle Gleichgesinnten Bauberufe mit Leben erfüllt. Die Idee zur Gründung unserer Bruderschaft ging von Bremer Maurern aus und da der Bremer Roland als Freiheitsheld verehrt wurde, lag es nah den Namen „Rolandschacht" in die Bücher einzutragen.
Gründung des Rolandschachtes am 1. Mai 1891 in Nürnberg
Die blaue Ehrbarkeit hatten diese Gesellen schon lange zuvor in der Tasche gehabt. Die blaue Farbe hat für die Rolandsbrüder eine starke Bedeutung. So heilt es in einem Spruch:
,,Blau ist die Farbe der Treue. Beständigkeit und Klarheit,
Mit Gold ist die goldene Handwerksnadel der Ehrbarkeit gemeint. Der Leitspruch unserer Bruderschaft der von grauser Wichtigkeit geworden ist lautet jedoch:
„Treue, Freundschaft, Brüderlichkeit, vereint uns Rolandsbrüder alle Zeit."
Nach diesen Versuchen in unserer Bruderschaft zu reisen und wie unter Brüdern zu leben.
Die Solidarität unter den Wandergesellen, die nichts mit den „Schwarzen" am Hut hatten ging so weit, dass sich der Rolandsbruder Wilhelm Kestner 1910 in Bern vor die Tür zum Handwerkssaal der Freiheitsbrüder setzte. damit sich der Freiheitsschacht ungestört gründen konnte. Dieser Rolandsbruder war vorher mit dem Gründer des Freiheitsschachtes, Hermann Schäfer, auf Tippelei gewesen. Dies werden uns die „Roten" nie vergessen. Sie sind uns in der Weltanschauung und im Wesen auch am ähnlichsten. Durch nachfolgende Kriege wurden die Reihen der Rolandsbrüder immer wieder empfindlich gelichtet. Viele Gesellen kamen aus dem Krieg nicht zurück. Dennoch Lieben sich die Rolandsbrüder nicht unterkriegen. Nach beiden Weltkriegen wurde ein Neuanfang gemacht und nach dem unblutigen Umsturz von der kommunistischen Diktatur und dem Ende der DDR 1989 erlebte der Rolandschacht eine Hochkonjunktur. Da der Zentralleiter in Leipzig beheimatet war, gingen überdurchschnittlich viel Sachsen auf Wanderschaft und verstärkten unsere Reihen. Das 116-jährige Bestehen der Bruderschaft in diesem Jahr, lässt uns zu der Überzeugung kommen, dass alle Rolandsbrüder und der gesamte Rolandschacht gemeinsam das 21. Jahrhundert meistern werden. Um unseren Nachwuchs sind wir nicht besorgt, der steht in Grössenordnungen vor der Tür und wartet auf die Erwanderung. So wird seit einigen Jahren geprüft, ob sich der Geselle auch zur Wanderschaft und für unsere Bruderschaft eignet. Der Kamrad, der in unsere Bruderschaft aufgenommen werden will, muss deshalb eine Aspirantenzeit absolvieren und kann bei Eignung und Fürsprache eines Rolandsbruders, nach kurzer Zeit seine Erwanderung beantragen. Dann aber bleibt er Rolandsbruder auf Lebenszeit, mit allen Rechten und Pflichten ausgestattet. Hier noch ein weiterer Wahlspruch unserer Bruderschaft: „Rolandsbrüder seid getreu. wie das Urbild ohne Scheu!"
Die Freiheitsfigur des Rolands und sein Eintreten
Richtigstellung einiger Literaturhinweise
Die abwertende Haltung gegenüber den Rolandsbrüdern in einigen Büchern entstammt jeweils Schilderungen der neidischen Konkurrenz, die unbedingt die Gründung des Rolandschachtes verhindern wollte. Die Redakteure einiger Bücher berichten über Rolandsbrüder, die nicht auf der Linie der ältesten Zunft lagen und zum Teil von dieser „schwarz" gemacht wurden. Sämtliche Niederschriften beruhen auf Schilderungen von Mitgliedern dieser Zunft, die es nicht wahrhaben wollten, dass es Auer ihnen weitere zünftige Wandergesellen gab, die sich toleranter und kameradschaftlicher gegenüber Aussenstehenden und untereinander wie Brüder verhielten. Heinrich Teudt, von der schwarzen Maurerzunft, schreibt in seinen ..Reiseerinnerungen" über Rolandsbrüder folgendes: (Zitat): In der Bremer Gesellschaft gab es auch noch einen Rolandschacht, ausserdem gab es damals in vielen Gesellschaften Spinn-. Pisspott-. Hengsten- und auch noch anders benannte Schächte. Diese Schächte dienten hauptsächlich denn Fidelitas. Später wurden sie dann verboten, weil sie zu reinen Saufgelagen ausarteten. Ich ging der Wissenschaft halber auch in den Rolandschacht. Von diesen Rolandschächten entlehnten sich die Blauen den Namen Rolandsbrüder Da die Gründer meistens ausgeschlossene oder retourgebliebene Fremde waren, sind wohl auch einige Redewendungen, die im Rolandschacht gebräuchlich waren, auch bei den Rolandsbrüdern eingeschaltet worden. Bei der Bildung der Rolandsbrüder in Freiburg, Breisgau war ein wegen Schulden ausgeschlossener Fremder, mit Namen Bernhard Kühl, Haupturheber: (Ende des Zitats.) Der Fremde. Maurer Heinrich Teudt ging von 1888 bis 1892 in die Lehre. Als er 1892 in die Fremde ging war der Rolandschacht längst gegründet. Zu der Zeit gab es in vielen Gesellschaften die Bestrebung, sich von der Bevormundung der Schwarzen freizumachen. Dafür stand der Roland Pate, der für Recht und Freiheit gekämpft hatte. Spinn- Pisspott- und Hengsten- Schächte gründeten sich erst nach der Jahrhundertwende. Dass diese Schächte verboten wurden, war vielleicht sein Wunschtraum. Es stimmt, dass die Rolandsbrüder aus den Reihen der „schwarzen Maurer“ entwachsen sind und viele der alten Zunftregeln übernommen haben. wie man heute sieht, steht der Rolandschacht an führender Stelle der wandernden Zünfte. Aber in einer Bruderschaft gedeiht eben die Kameradschaft untereinander besser. So haben wir zum Beispiel derzeit keine Sorgen um den Fortbestand unserer Vereinigung, denn um den Nachwuchs des Rolandschachtes ist es gut bestellt. Auch von uns haben Folgeschächte bestimmten Schnack übernommen, was uns nicht eifersüchtig macht. Der Freie Begegnungsschacht hat auch seine Daseinsberechtigung, zumal er ganz andere Ziele verfolgt. Es ist gut, dass diese Zunft auch Frauen und alte Handwerksberufe erwandert, die in den CCEG-Schächten keine Chance bekommen.
Eugen Weiß geht der Sache in seinem Buch von 1923 mehr auf den Grund, so schreibt er zum Beispiel: (Zitat): Dagegen sind sie ganz und gar unduldsam gegen eine zimmermännische Gesellschaft, die sich Ende der achtziger Jahre aufgetan hat und sich Rolandsbrüder nennt. Weil sich die Fremden als die einzigen rechtmässigen Fortpflanzer der Zunft und des Zünftigen betrachten, wird diese Brüderschaft, welche sich die gleichen Ziele setzt wie sie, grimmig von ihnen gehasst und auch verfolgt. Sie liegen ständig in schweren Händeln reit den Rolandsbrüdern und es gab, wie man uns sagt, schon öfter Schlägereien, bei denen Leute erstochen wurden. " (Ende des Zitats.) Der Rolandschacht war keine zimmermännische Gesellschaft und bereits 1883 wurde das 1. Bild von Rolandsbrüdern in Flensburg aufgenommen. Die Gründer unter dem Vorsitz von Eduard Münster waren fast alle Maurer, jedoch alles ehrbare Gesellen. Ihr Fehler war, dass sie nicht auf der Linie der Schwarzen lagen. Es war auch damals noch eine andere Zeit, man musste; sich mit den Fäusten wehren, wenn man nicht untergehen wollte. Die Ideen der Gemeinsamkeit und nicht anderes haben die Rolandsbrüder erfolgreich Legen den Ursprungsschacht verteidigt.
Rudolf Wissel hat in seinem recht umfassenden Werk „Des alten Handwerks Recht und Gewohnheit" meines Erachtens nur die einseitigen Informationen von „Rechtschaffenen Fremden" verarbeitet und leider Versäumt, sich eingehend mit den Rolandsbrüdern und den anderen Schächten der damaligen Zeit zu beschäftigen. Man sollte immer zwei Meinungen hören, bevor man sich ein Urteil bildet.
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